Technik
Zweirichtungszähler bei Photovoltaik: Warum ist er nötig?

Arian Elezkurtaj
Stand:
Photovoltaikanlagen erzeugen Strom direkt auf dem eigenen Dach. Ein Teil dieses Stroms wird im Haushalt selbst verbraucht, der überschüssige Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Damit beide Stromflüsse korrekt erfasst werden können, wird bei vielen Photovoltaikanlagen ein sogenannter Zweirichtungszähler eingesetzt. Dieser Stromzähler misst sowohl den Strombezug aus dem Netz als auch den Strom, der ins Netz eingespeist wird.
Zusammenfassung
Ein Zweirichtungszähler misst Strom in zwei Richtungen: Bezug aus dem Netz und Einspeisung ins Netz.
Er wird häufig bei Photovoltaikanlagen mit Eigenverbrauch eingesetzt.
Der Zähler ersetzt zwei separate Stromzähler.
Die gemessenen Werte bilden die Grundlage für Stromabrechnung und Einspeisevergütung.
In den meisten Fällen wird der Zweirichtungszähler vom Netzbetreiber installiert.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Zweirichtungszähler?
Ein Zweirichtungszähler ist ein Stromzähler, der zwei verschiedene Stromflüsse messen kann. Einerseits wird Strom, der aus dem öffentlichen Netz bezogen wird gezählt, andererseits der Strom, der von einer Photovoltaikanlage ins Netz eingespeist wird.
Der Zähler speichert diese beiden Werte getrennt voneinander. Dadurch kann genau erfasst werden, wie viel Strom ein Haushalt aus dem Netz bezieht und wie viel Solarstrom eingespeist wird.
Bei Photovoltaikanlagen mit Eigenverbrauch ersetzt ein Zweirichtungszähler häufig zwei separate Zähler – einen Bezugszähler und einen Einspeisezähler.
Wie funktioniert ein Zweirichtungszähler?
Ein Zweirichtungszähler misst die Strommenge, die in beide Richtungen durch den Hausanschluss fließt.
Das Grundprinzip ist einfach:
Wird Strom aus dem Netz bezogen, zählt der Zähler den Stromverbrauch.
Produziert die Photovoltaikanlage mehr Strom als im Haushalt benötigt wird, wird der Überschuss ins Netz eingespeist.
Der Zähler registriert auch diese eingespeiste Strommenge.
Beide Werte werden getrennt gespeichert und später für Abrechnung und Einspeisevergütung verwendet.
Welche Werte zeigt ein Zweirichtungszähler an?
Digitale Stromzähler zeigen die beiden Stromflüsse meist mit sogenannten OBIS-Codes an.
Typische Anzeigen sind:
1.8.0 → Strombezug aus dem Netz
2.8.0 → eingespeister Strom
Die Werte werden in Kilowattstunden (kWh) angezeigt.
Zum Beispiel:
Strombezug: 2.000 kWh
Einspeisung: 3.000 kWh
Diese Werte werden regelmäßig vom Netzbetreiber oder vom Energieversorger erfasst.
Wann braucht man einen Zweirichtungszähler?
Ein Zweirichtungszähler wird vor allem bei Photovoltaikanlagen mit Eigenverbrauch eingesetzt.
Das bedeutet:
Ein Teil des Solarstroms wird im Haushalt genutzt.
Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist.
Damit beide Strommengen korrekt erfasst werden können, muss ein entsprechender Stromzähler installiert sein.
Bei Anlagen mit Volleinspeisung, bei denen der gesamte Solarstrom ins Netz eingespeist wird, kann stattdessen auch ein Einspeisezähler verwendet werden.
Betriebsarten von Photovoltaikanlagen
Photovoltaikanlagen können grundsätzlich auf zwei Arten betrieben werden: mit Eigenverbrauch oder mit Volleinspeisung. Die gewählte Betriebsart beeinflusst, welches Messkonzept und welche Stromzähler benötigt werden.
Eigenverbrauch
Beim Eigenverbrauch wird ein Teil des erzeugten Solarstroms direkt im Haushalt genutzt. Überschüssiger Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist.
In diesem Fall wird häufig ein Zweirichtungszähler eingesetzt, der sowohl Strombezug als auch Einspeisung misst.
Volleinspeisung
Bei der Volleinspeisung wird der gesamte erzeugte Strom in das Stromnetz eingespeist. Der Betreiber erhält dafür eine Einspeisevergütung.
Hier wird meist ein separater Einspeisezähler verwendet.
Besondere Messkonzepte
In manchen Anlagen werden zusätzliche Verbraucher wie Wärmepumpen oder Wallboxen separat gemessen. Dafür kommen spezielle Messkonzepte wie eine Kaskadenmessung zum Einsatz.
Kosten eines Zweirichtungszählers
Ein Zweirichtungszähler wird in der Regel nicht gekauft, sondern vom Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber bereitgestellt.
Für den Betrieb des Zählers fallen meist jährliche Gebühren an.
Typische Kosten sind:
etwa 20 bis 60 € pro Jahr für Messstellenbetrieb und Zähler.
Die genaue Höhe hängt vom jeweiligen Netzbetreiber und vom eingesetzten Zählertyp ab.
Bei modernen digitalen Stromzählern oder Smart Metern können die Kosten etwas höher sein.
Wer installiert den Zweirichtungszähler?
Der Zweirichtungszähler wird normalerweise nicht vom Hausbesitzer installiert.
In der Praxis läuft die Installation meist so ab:
Der Installateur meldet die Photovoltaikanlage beim Netzbetreiber an.
Der Netzbetreiber prüft die Anlage und plant den Zählerwechsel.
Ein Messstellenbetreiber installiert den neuen Zweirichtungszähler.
Der Zähler gehört in den meisten Fällen dem Netzbetreiber oder dem Messstellenbetreiber.
Zweirichtungszähler vs. andere Stromzähler
Es gibt verschiedene Stromzähler, die je nach Nutzung eingesetzt werden.
Zählerart | Funktion | Einsatz |
Haushaltszähler | misst nur Stromverbrauch | Haushalte ohne PV |
Einspeisezähler | misst nur eingespeisten Strom | PV mit Volleinspeisung |
Zweirichtungszähler | misst Bezug und Einspeisung | PV mit Eigenverbrauch |
Smart Meter | digitaler intelligenter Zähler | moderne Messsysteme |
Ein Zweirichtungszähler spart Platz im Zählerschrank, da er zwei Funktionen in einem Gerät kombiniert.
Beispiel: Stromfluss bei einer Photovoltaikanlage
Ein Beispiel zeigt, wie der Stromfluss in einem Haushalt mit Photovoltaikanlage aussehen kann.
Angenommen eine PV-Anlage erzeugt im Jahr 5.000 kWh Strom.
Davon werden:
2.000 kWh direkt im Haushalt genutzt
3.000 kWh ins Stromnetz eingespeist
Der Zweirichtungszähler misst in diesem Fall:
den Strombezug aus dem Netz
die eingespeiste Strommenge
Diese Daten werden später für die Stromabrechnung und die Einspeisevergütung verwendet.
Zweirichtungszähler und Einspeisevergütung
Der Strom, der von einer Photovoltaikanlage ins Netz eingespeist wird, wird vom Zweirichtungszähler erfasst. Diese Messwerte sind die Grundlage für die Einspeisevergütung, die Anlagenbetreiber für ihren eingespeisten Strom erhalten. Der Netzbetreiber verwendet die gemessenen Daten, um die Vergütung korrekt abzurechnen.
Fazit
Der Zweirichtungszähler ist ein wichtiger Bestandteil vieler Photovoltaikanlagen. Er misst sowohl den Strombezug aus dem Netz als auch die eingespeiste Solarenergie.
Damit bildet er die Grundlage für die Stromabrechnung und die Einspeisevergütung. In den meisten Fällen wird der Zähler vom Netzbetreiber installiert und betrieben.
Für Haushalte mit Photovoltaikanlage und Eigenverbrauch ist der Zweirichtungszähler heute die gängigste Lösung.
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