Photovoltaik-Handbuch
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Installation & Betrieb
Zukunft der Photovoltaik
Rechtliches & FAQ
Eigenverbrauch vs. Einspeisung – was lohnt sich bei Photovoltaik wirklich?
Kapitel 4: Kosten & Wirtschaftlichkeit
Eigenverbrauch vs. Einspeisung – was lohnt sich bei Photovoltaik wirklich?

Arian Elezkurtaj
Stand:
Wer eine Photovoltaikanlage plant oder bereits betreibt, steht früher oder später vor einer zentralen Frage:
Soll ich meinen Solarstrom möglichst selbst nutzen oder möglichst viel ins Netz einspeisen?
Früher war die Antwort klar, heute ist sie differenzierter. Sinkende Einspeisevergütungen und gleichzeitig hohe Strompreise haben die wirtschaftlichen Spielregeln verändert. Entscheidend ist nicht mehr nur die Anlagengröße, sondern vor allem, wie der erzeugte Strom genutzt wird.
Zusammenfassung
Eigenverbrauch ersetzt teuren Netzstrom und spart aktuell rund 30–40 ct/kWh.
Einspeisung wird 2025 nur noch mit etwa 7–8 ct/kWh vergütet.
Je höher der Eigenverbrauch, desto wirtschaftlicher die PV-Anlage.
Stromspeicher erhöhen den Eigenverbrauch, sind aber nicht immer notwendig.
Die optimale Lösung hängt stark vom Verbrauchsprofil ab.
Was bedeutet Eigenverbrauch bei Photovoltaik?
Eigenverbrauch bezeichnet den Anteil des selbst erzeugten Solarstroms, der direkt im eigenen Haushalt verbraucht wird. Das kann zum Beispiel Strom für Haushaltsgeräte, Beleuchtung oder eine Wärmepumpe sein.
Der wirtschaftliche Vorteil entsteht dadurch, dass jede selbst genutzte Kilowattstunde keinen Strom aus dem öffentlichen Netz ersetzt. Da Haushaltsstrom heute deutlich teurer ist als die Einspeisevergütung, spart Eigenverbrauch unmittelbar Geld.
Kurz gesagt: Eigenverbrauch heißt Strom selbst nutzen statt teuer einkaufen.
Typische Eigenverbrauchsquoten:
Ohne Stromspeicher: ca. 25–35 %.
Mit Stromspeicher: ca. 50–70 %.
Mit Speicher + E-Auto/Wärmepumpe: teils über 70 %.
Je höher der Eigenverbrauch, desto größer die Ersparnis.
Was bedeutet Einspeisung von Solarstrom?
Von Einspeisung spricht man, wenn Solarstrom, der im Haushalt gerade nicht benötigt wird, automatisch ins öffentliche Stromnetz abgegeben wird. Dafür erhält der Anlagenbetreiber eine gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung.
Diese Vergütung wird über 20 Jahre garantiert, liegt aber deutlich unter dem Preis für Haushaltsstrom. Einspeisung ist deshalb kein Verlustgeschäft, aber wirtschaftlich weniger attraktiv als der direkte Eigenverbrauch.
Die Vergütung ist planbar, aber deutlich niedriger als der Wert von selbst genutztem Strom.
Eigenverbrauch vs. Einspeisung – der direkte Vergleich
Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde spart in der Regel mehr Geld, als eine eingespeiste einbringt. Genau deshalb hat sich der Fokus bei Photovoltaik in den letzten Jahren zunehmend Richtung Eigenverbrauch verschoben.
Kriterium | Eigenverbrauch | Einspeisung |
|---|---|---|
Wert pro kWh | ca. 30–40 ct | ca. 6–8 ct |
Abhängigkeit vom Strompreis | sinkt | bleibt |
Planungssicherheit | mittel | hoch |
Wirtschaftlicher Hebel | sehr hoch | begrenzt |
Flexibilität | hoch | gering |
Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde ist aktuell etwa 4–5 Mal so wertvoll wie eine eingespeiste.
Wann lohnt sich hoher Eigenverbrauch besonders?
Ein hoher Eigenverbrauch lohnt sich vor allem dann, wenn viel Strom tagsüber oder flexibel genutzt wird. Das ist häufig der Fall bei Haushalten mit:
Homeoffice oder dauerhafter Anwesenheit.
Wärmepumpe (eine Heizung, die Strom nutzt, um Umweltwärme bereitzustellen).
Elektroauto (Strom wird direkt zum Laden genutzt).
Je mehr Solarstrom zeitgleich zur Erzeugung verbraucht wird, desto höher ist der wirtschaftliche Nutzen der Anlage.
Beispiel:
Ein Haushalt verbraucht 4.500 kWh Strom pro Jahr.
Bei 60 % Eigenverbrauch spart er rund:
4.500 kWh × 60 % × 0,35 €/kWh ≈ 945 € pro Jahr
Wann kann Einspeisung sinnvoll sein?
Die Einspeisung belibt ein wichtiger Bestandteil moderner PV-Anlagen. Sie ist immer dann sinnvoll, wenn:
Mehr Strom erzeugt wird, als aktuell verbraucht werden kann.
Kein oder nur ein kleiner Stromspeicher vorhanden ist.
Die Dachfläche größer ist als der eigene Strombedarf.
Einspeisung sorgt dafür, dass kein Solarstrom verloren geht und die Anlage auch bei Überschüssen wirtschaftlich bleibt.
Welche Rolle spielt ein Stromspeicher?
Ein Stromspeicher speichert überschüssigen Solarstrom und stellt ihn später wieder zur Verfügung, zum Beispiel abends oder nachts. Dadurch steigt der Eigenverbrauchsanteil deutlich.
Wichtig ist jedoch: Ein Speicher ersetzt nicht automatisch die Einspeisung, sondern verschiebt Strom zeitlich. Wirtschaftlich sinnvoll ist er vor allem dann, wenn ein hoher Eigenverbrauch angestrebt wird und der Speicher realistisch ausgelastet wird.
Ein zu großer Speicher kann dagegen die Wirtschaftlichkeit verschlechtern, weil gespeicherter Strom auch Verluste verursacht (ein Teil der Energie geht beim Laden und Entladen verloren).
Typische Denkfehler bei Eigenverbrauch und Einspeisung
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass 100 % Eigenverbrauch das Ziel sein sollte. In der Praxis ist das weder notwendig noch wirtschaftlich sinnvoll.
Ebenso falsch ist die Vorstellung, dass Einspeisung „nichts bringt“. Auch eingespeister Strom trägt zur Amortisation der Anlage bei und stabilisiert das Gesamtsystem.
Entscheidend ist nicht entweder oder, sondern das richtige Verhältnis.
Eigenverbrauch oder Einspeisung – was ist heute sinnvoller?
Heute gilt klar: Eigenverbrauch ist wirtschaftlich attraktiver als Einspeisung, weil er teuren Netzstrom ersetzt. Trotzdem bleibt die Einspeisung ein wichtiger Bestandteil jeder PV-Anlage, um Überschüsse sinnvoll zu nutzen.
Die beste Lösung ist in den meisten Fällen eine ausgewogene Kombination aus beidem. Wer seine Anlage realistisch dimensioniert und den eigenen Verbrauch kennt, kann Photovoltaik langfristig wirtschaftlich und effizient nutzen, ohne unnötige Technik oder überzogene Erwartungen.









