Photovoltaik-Handbuch
KAPITELÜBERSICHT
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Installation & Betrieb
Zukunft der Photovoltaik
Rechtliches & FAQ
Sinnvolle Kombinationen: E-Auto, Wärmepumpe & Photothermie
Kapitel 4: Kosten & Wirtschaftlichkeit
Sinnvolle Kombinationen: E-Auto, Wärmepumpe & Photothermie

Arian Elezkurtaj
Stand:
Eine Photovoltaikanlage entfaltet ihr volles Potenzial oft erst dann, wenn sie mit weiteren Verbrauchern oder Systemen kombi. niert wird. Statt Solarstrom einfach einzuspeisen, kann er gezielt dort genutzt werden, wo im Haushalt viel Energie benötigt wird, etwa beim Laden eines Elektroautos, beim Betrieb einer Wärmepumpe oder bei der Wärmeversorgung.
Zusammenfassung
Photovoltaik lässt sich sinnvoll mit E-Auto, Wärmepumpe und Wärmeerzeugung kombinieren.
Ziel aller Kombinationen ist ein höherer Eigenverbrauch des Solarstroms.
Die Kombination mit einem E-Auto ist meist besonders einfach und flexibel.
Wärmepumpen profitieren langfristig stark von günstigem PV-Strom.
Photothermie und PVT-Systeme sind Speziallösungen für begrenzte Dachflächen.
PV-Anlage kombinieren - was kommt grundsätzlich infrage?
Grundsätzlich eignet sich Photovoltaik besonders gut für Anwendungen, bei denen Strom zeitlich flexibel genutzt werden kann oder dauerhaft ein hoher Bedarf besteht. Je mehr Solarstrom im eigenen Haushalt verbraucht wird, desto wirtschaftlicher arbeitet die Anlage.
Typische Kombinationsmöglichkeiten sind:
zusätzliche Stromverbraucher wie ein Elektroauto,
strombasierte Heizsysteme wie Wärmepumpen,
oder Systeme, die Strom- und Wärmeerzeugung miteinander verbinden.
Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom individuellen Nutzungsverhalten ab.
Kombination aus PV und E-Auto (Wallbox)
Die Kombination aus Photovoltaikanlage und Elektroauto zählt zu den beliebtesten und einfachsten Erweiterungen. Das Elektroauto wird dabei mit Solarstrom geladen, entweder direkt oder zeitlich gesteuert.
Eine Wallbox ist eine fest installierte Ladestation für Elektrofahrzeuge. Besonders sinnvoll sind intelligente Wallboxen, die erkennen, wann überschüssiger Solarstrom verfügbar ist, und den Ladevorgang entsprechend anpassen. So wird möglichst viel eigener Solarstrom genutzt.
Für Nutzer bedeutet das:
Ein großer Teil der Fahrenergie kann direkt vom eigenen Dach stammen. Das senkt die Stromkosten pro Kilometer deutlich und erhöht den Eigenverbrauch der PV-Anlage spürbar, oft ohne zusätzliche große Umbauten am Haus.

Worauf sollte ich bei der Wallbox achten?
Wenn eine Photovoltaikanlage mit einem Elektroauto kombiniert wird, spielt die Wahl der Wallbox eine entscheidende Rolle. Sie bestimmt nicht nur, wie schnell das Auto lädt, sondern auch wie viel Solarstrom tatsächlich im Fahrzeug ankommt. Zwei Punkte sind dabei besonders wichtig: die zusätzliche Größe der PV-Anlage und die Anzahl der Ladephasen.
Zunächst zur PV-Leistung: Ein Elektroauto erhöht den Stromverbrauch deutlich. Je nach Fahrleistung fallen pro Jahr mehrere tausend Kilowattstunden zusätzlicher Bedarf an. Damit dieser Strom möglichst aus der eigenen PV-Anlage stammt, sollte die Anlage entsprechend größer geplant oder perspektivisch erweiterbar sein.
In der Praxis bedeutet das: Für ein regelmäßig genutztes E-Auto werden häufig zusätzliche 3 bis 5 kWp PV-Leistung eingeplant, damit ausreichend Solarstrom für das Laden zur Verfügung steht.
Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Frage, wie die Wallbox lädt, also einphasig, zweiphasig oder dreiphasig. Das beeinflusst, ab welcher PV-Leistung das Laden überhaupt starten kann und wie flexibel das System auf wechselnde Sonneneinstrahlung reagiert.
Ladeart | Typische Ladeleistung | Mindestleistung zum Laden | Eignung für PV-Überschuss | Einordnung für die Praxis |
Einphasig | ca. 1,4–3,7 kW | sehr niedrig | sehr gut | Ideal, um auch kleine PV-Überschüsse zu nutzen |
Zweiphasig | ca. 3,7–7,4 kW | mittel | gut | Kompromiss zwischen Ladezeit und Eigenverbrauch |
Dreiphasig | ca. 4,1–11 kW (teilweise 22 kW) | hoch | eingeschränkt | Sinnvoll bei großer PV-Anlage oder schnellem Laden |
Beim einphasigen Laden kann das Elektroauto bereits mit sehr geringer Leistung geladen werden. Das ist besonders vorteilhaft, wenn die PV-Anlage nur kleine oder schwankende Überschüsse liefert. Der Ladevorgang dauert zwar länger, dafür stammt ein großer Teil des Stroms direkt vom eigenen Dach.
Zweiphasiges Laden stellt einen Mittelweg dar. Die Ladeleistung ist höher als beim einphasigen Laden, gleichzeitig bleibt die Mindestleistung noch so niedrig, dass PV-Überschüsse häufig genutzt werden können. Diese Variante ist jedoch nicht bei allen Fahrzeugen verfügbar.
Beim dreiphasigen Laden wird das Auto deutlich schneller geladen. Dafür ist aber auch eine höhere, gleichmäßige PV-Leistung nötig. Bei wechselhaftem Wetter oder kleineren Anlagen führt das häufiger dazu, dass zusätzlich Netzstrom genutzt wird.
In der Praxis haben sich Wallboxen bewährt, die dynamisch zwischen ein- und dreiphasigem Laden wechseln können. So lässt sich bei wenig Sonne langsam mit Solarstrom laden und bei hoher PV-Leistung schneller nachladen. Das verbessert den Eigenverbrauch und erhöht die Flexibilität im Alltag.
Kombination Wärmepumpe mit Photovoltaik

Photovoltaik und Wärmepumpe ergänzen sich in der Praxis sehr gut, weil die PV-Anlage genau den Strom liefert, den die Wärmepumpe für den Betrieb benötigt. Eine Wärmepumpe nutzt Strom, um Umweltwärme aus Luft, Erde oder Wasser in nutzbare Heizenergie zu verwandeln. Wenn dieser Strom direkt von der eigenen PV-Anlage kommt, sinken die laufenden Energiekosten spürbar, weil Solarstrom im Eigenverbrauch üblicherweise deutlich günstiger ist als Netzstrom.
Mit einer Kombination aus PV und Wärmepumpe können Sie nicht nur Ihre Heizkosten senken, sondern auch unabhängiger von steigenden Strompreisen werden und Ihren CO₂-Fußabdruck reduzieren.
System / Situation | Jahresstromverbrauch Wärmepumpe | Kostenbeispiel & Strompreis | Jährliche Stromkosten |
|---|---|---|---|
Wärmepumpe ohne PV | ca. 6.667 kWh (z. B. Luft-Wasser) | Strompreis ~0,30 €/kWh | ca. 2.000 € |
Wärmepumpe mit PV-Strom | ca. 6.667 kWh | Solarstrom ~0,10 €/kWh | ca. 667 € |
Diese Beispiel-Rechnung zeigt, wie sich die Stromkosten für den Betrieb einer Wärmepumpe reduzieren können, wenn ein großer Teil des Strombedarfs durch selbst erzeugten PV-Strom gedeckt wird. Die Solarproduktion und der Einsatz eines Speichers beeinflussen die tatsächlichen Werte, sind hier aber beispielhaft dargestellt.
Photothermie: Photovoltaik mit Solarthermie kombinieren
Photothermie kombiniert Photovoltaik und Solarthermie in einem System. Zum Einsatz kommen sogenannte PVT-Module, die gleichzeitig Strom und Wärme aus Sonnenenergie erzeugen.
Der obere Teil des Moduls arbeitet wie eine normale PV-Anlage und produziert Strom. Auf der Rückseite wird die entstehende Wärme genutzt, um Wasser zu erwärmen. So wird die Sonnenenergie doppelt genutzt, ohne zusätzliche Dachfläche zu benötigen.
Der erzeugte Strom kann im Haushalt verbraucht oder eingespeist werden, die Wärme dient meist der Warmwasserbereitung oder zur Unterstützung der Heizung. Durch die Wärmeabfuhr bleiben die Module etwas kühler, was den Stromertrag stabilisieren kann.
Photothermie ist technisch aufwendiger und teurer als eine reine PV-Anlage. Sie eignet sich daher vor allem für Gebäude mit begrenzter Dachfläche oder für Konzepte, bei denen Strom- und Wärmeerzeugung bewusst kombiniert werden. Bei ausreichend Platz sind getrennte Systeme oft einfacher umzusetzen.

Vor- und Nachteile von Photothermie
Aspekt | Vorteile | Nachteile |
Nutzung der Dachfläche | Strom und Wärme werden auf derselben Fläche erzeugt | Weniger flexibel als getrennte Systeme |
Energieausbeute | Sonnenenergie wird doppelt genutzt | Gesamtsystem technisch komplexer |
Stromertrag | Kühlung der PV-Module kann den Stromertrag stabilisieren | Stromertrag meist etwas geringer als bei reiner PV |
Wärmenutzung | Wärme kann für Warmwasser oder Heizungsunterstützung genutzt werden | Wärmebedarf muss zum System passen |
Platzbedarf | Besonders sinnvoll bei begrenzter Dachfläche | Bei viel Dachfläche oft nicht nötig |
Systemintegration | Gut kombinierbar mit Wärmepumpe oder Speicher | Planung und Abstimmung aufwendiger |
Kosten | Einsparung bei Montagefläche möglich | Höhere Anschaffungs- und Planungskosten |
Alltagstauglichkeit | Strom- und Wärmeerzeugung aus einer Anlage | Weniger verbreitet, weniger Erfahrungswerte |
Welche Kombination ist in der Praxis sinnvoll?
In der Praxis zeigt sich: Nicht jede Kombination passt zu jedem Haushalt. Für viele Eigentümer ist die Kombination aus Photovoltaik und E-Auto der einfachste Einstieg, da sie flexibel nachrüstbar ist. Wärmepumpen entfalten ihr Potenzial vor allem dann, wenn Gebäude und Heizsystem darauf abgestimmt sind. Photothermie bleibt eine Nischenlösung für besondere Anforderungen.
Entscheidend ist nicht die Anzahl der kombinierten Systeme, sondern wie gut sie zum eigenen Verbrauch und zur Immobilie passen. Eine sinnvoll geplante Kombination erhöht den Eigenverbrauch, senkt langfristig Energiekosten und macht die Photovoltaikanlage deutlich wirkungsvoller.







