Photovoltaik-Handbuch
KAPITELÜBERSICHT
Einstieg
Grundlagen der Photovoltaik
Planung & Dimensionierung
Förderung & Finanzierung
Installation & Betrieb
Zukunft der Photovoltaik
Rechtliches & FAQ
Energy Sharing: Solarstrom für die Nachberschaft
Kapitel 4: Kosten & Wirtschaftlichkeit
Energy Sharing: Solarstrom für die Nachberschaft

Arian Elezkurtaj
Stand:
Mit Energy Sharing kann lokal erzeugter Strom besser genutzt werden, auch von Menschen, die kein eigenes Dach besitzen. Es verspricht, erneuerbaren Strom gemeinschaftlich zu nutzen und damit mehr Menschen an der Energiewende zu beteiligen. Gleichzeitig ist das Konzept noch relativ neu und in Deutschland bislang nur teilweise umgesetzt.
Zusammenfassung
Energy Sharing bedeutet die gemeinschaftliche Nutzung von erneuerbarem Strom.
Der Strom wird über das öffentliche Netz verteilt und rechnerisch zugeordnet.
Energy Sharing ist auf EU-Ebene vorgesehen, in Deutschland aber noch im Aufbau.
Ziel ist mehr Teilhabe an erneuerbaren Energien, auch ohne eigenes Dach.
Kurzfristig ist Energy Sharing eine Perspektive, langfristig ein wichtiges Zukunftsmodell.
Was ist Energy Sharing?

Energy Sharing beschreibt ein Modell, bei dem Strom aus erneuerbaren Energien nicht nur von einem einzelnen Haushalt, sondern von mehreren Teilnehmern gemeinsam genutzt wird. Diese Teilnehmer schließen sich zu einer sogenannten Energiegemeinschaft zusammen, also einer Gruppe von Personen oder Organisationen, die gemeinsam Strom erzeugen und nutzen.
Der erzeugte Strom stammt zum Beispiel aus einer Photovoltaikanlage und wird nicht ausschließlich vor Ort verbraucht, sondern gemeinschaftlich verteilt. Energy Sharing unterscheidet sich damit vom klassischen Eigenverbrauch, bei dem nur der Betreiber der Anlage vom erzeugten Strom profitiert.
Wichtig ist: Energy Sharing bedeutet nicht, dass der Strom physisch direkt von einem Haus zum anderen fließt. Die Verteilung erfolgt immer über das öffentliche Stromnetz.
Wie funktioniert Energy Sharing technisch?
Technisch basiert Energy Sharing darauf, dass Strom weiterhin ganz normal ins öffentliche Netz eingespeist wird. Gleichzeitig wird jedoch erfasst, wie viel Strom eine bestimmte Anlage erzeugt und welche Mitglieder der Energiegemeinschaft Strom verbrauchen.
Über eine Zuordnung, also eine rechnerische Verteilung der Strommengen, wird festgelegt, welcher Anteil des erzeugten Stroms welchen Teilnehmern zugerechnet wird. Voraussetzung dafür sind digitale Messsysteme, sogenannte Smart Meter. Das sind Stromzähler, die Erzeugung und Verbrauch zeitlich genau erfassen.
Das Stromnetz bleibt also vollständig eingebunden. Energy Sharing nutzt bestehende Infrastruktur, ergänzt sie aber um eine gemeinschaftliche Abrechnungslogik.
Wer kann an Energy Sharing teilnehmen?
Grundsätzlich richtet sich Energy Sharing an mehrere Nutzer, die gemeinsam erneuerbaren Strom nutzen möchten. Dazu zählen zum Beispiel Privatpersonen, Nachbarschaften, Quartiere oder Bürgerenergieprojekte.
Für einzelne Haushalte bedeutet das: Man kann an Energy Sharing teilnehmen, ohne selbst eine eigene Photovoltaikanlage zu besitzen. Die Teilnahme erfolgt über die Mitgliedschaft in einer Energiegemeinschaft, nicht über das Eigentum an einer Anlage.
In der Praxis hängt die Teilnahme jedoch stark davon ab, ob entsprechende Projekte existieren und welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten.
Vor und Nachteile vom Energy Sharing
Um Energy Sharing realistisch einzuordnen, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die wichtigsten Vor- und Nachteile. Die folgende Übersicht zeigt, wo die Stärken des Modells liegen und wo aktuell noch Grenzen bestehen. Sie dient nicht als Bewertung, sondern als Orientierungshilfe für die praktische Einschätzung.
Aspekt | Vorteile von Energy Sharing | Nachteile von Energy Sharing |
Nutzung von Solarstrom | Lokal erzeugter Strom kann gemeinschaftlich genutzt werden | Strom wird weiterhin über das öffentliche Netz bilanziert |
Teilhabe | Auch Mieter und Haushalte ohne eigenes Dach können profitieren | Beteiligung erfordert Organisation und Abstimmung |
Beitrag zur Energiewende | Fördert Akzeptanz und regionale Wertschöpfung | Noch kein flächendeckend etabliertes Modell |
Netzeffekte | Verbrauch näher an der Erzeugung kann Netze entlasten | Netz- und Abrechnungsprozesse sind komplex |
Wirtschaftlichkeit | Zusätzlicher Nutzen für gemeinschaftliche Projekte | Einsparung pro kWh meist geringer als beim Eigenverbrauch |
Umsetzung | Geeignet für Quartiere und Energiegemeinschaften | Rechtlicher und technischer Rahmen noch im Aufbau |
Perspektive | Hohes Zukunftspotenzial | Kurzfristig begrenzte Einsatzmöglichkeiten |
Ab wann ist Energy Sharing möglich?
Der Gesetzgeber plant die Einführung von Energy Sharing schrittweise, um technische und organisatorische Abläufe kontrolliert aufzubauen und Praxiserfahrungen zu sammeln.
Ab dem 1. Juni 2026 beginnt die erste Phase. In dieser Startphase ist Energy Sharing zunächst auf das Gebiet eines einzelnen Verteilnetzbetreibers beschränkt. Der gemeinsam genutzte Strom bleibt damit physisch und regulatorisch in einer klar abgegrenzten Region. Ziel ist es, Prozesse zu testen, Abrechnungsmodelle zu standardisieren und die notwendige digitale Infrastruktur aufzubauen.
Ab dem 1. Juni 2028 ist eine Erweiterung vorgesehen. Dann soll Energy Sharing auch über benachbarte Verteilnetze hinweg möglich sein, sofern diese derselben Regelzone angehören. Die Reichweite des Modells wird damit größer, bleibt aber bewusst regional begrenzt. So soll sichergestellt werden, dass Netzstabilität, Abrechnung und Steuerung weiterhin verlässlich funktionieren.
Was Sie daraus mitnehmen sollten
Für Sie als Nutzer bedeutet Energy Sharing vor allem eines: eine zusätzliche Perspektive, nicht sofort eine Entscheidung. Wenn Sie heute erneuerbaren Strom gemeinschaftlich nutzen möchten, stoßen Sie noch auf begrenzte praktische Möglichkeiten. Mit der schrittweisen Einführung ab Juni 2026 entstehen jedoch neue Modelle, die besonders für Nachbarschaften, Quartiere und Menschen ohne eigenes Dach interessant werden können. Energy Sharing ist damit weniger eine kurzfristige Lösung, sondern eine Option, die es lohnt, im Blick zu behalten, vor allem dann, wenn gemeinschaftliche Projekte oder lokale Energiegemeinschaften in Ihrer Region entstehen.







